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Surf Trip durch ganz Amerika

Zopilote: Erzähle uns von eurem genialen Trip!

Arnauld: Einen eigenen Bus zu haben, das war schon als Teenager ein Traum, ein Symbol von Freiheit. 2013 kauften meine Freundin Heidi und ich dann unseren VW Bus Transporter 4×4, ein rohes Ei, was wir step by step nach unseren Bedürfnissen selbst ausbauten.

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Der Gedanke eine Reise mit dem Bus zu machen, der hatte schon während dem wir auf der Suche nach dem Bus waren begonnen. Das war anfangs nur eine Spinnerei mit der Frage wann könnten wir den eine Reise machen? Wenn nicht jetzt, wann dann? Später mit Kindern das wäre machbar, aber aufwändiger. Als Pensionierter, nein so lange wollen wir nicht warten. Ab diesem Moment hat unser Projekt Formen angenommen und wir fingen an für diese eine Reise zu sparen. 2015 buchten wir ein Frachtschiff für uns und unser Büssli von Hamburg nach Montevideo in Uruguay.

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Nach unserer abenteuerlichen, 6 wöchigen Überquerung des Atlantiks mit dem Schiff, war die Ostküste bis zur südlichsten Stadt der Welt Ushuaia der erste Schritt. Danach begann unsere Reise VON SUED NACH NORD mit dem Endziel Halifax, Canada.

Etwas detaillierter sieht unser Trip nun so aus: Der Weg führte durch Patagonien, die Insel Chiloe und das Vulkangebiet von Pucon. Wir fuhren über die traumhaften Pässe der Anden, durch die Atacamawüste zum Altiplano, dann wieder runter ins Amazonasgebiet bis nach Nordperu, Ecuador und Kolumbien. Vor kurzem unternahmen wir den Darien Gap bis zum Surfparadies Zentralamerika, wo wir uns jetzt gerade noch befinden (Juli-August 2016).

Weiter sollte es nun quer durch Mexico gehen, dann an der Westküste hoch über die Baia California bis nach Vancouver. Von da einmal quer durch Kanada bis an die Ostküste. Ende Jahr 2016 sollte es dann mit dem Schiff wieder nach Europa gehen und weiter bis in unsere Heimat Schweiz zurück. So sieht unsere geplante Reise +- aus, ob wir schlussendlich diesen Plan einhalten können, das werden wir erst am Ende unserer Reise sehen.

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Zopilote: Was war bis jetzt der schönste Moment auf eurer Reise?

Arnauld: Die Frage ist extrem schwierig zu beantworten, denn zum einen war die Schifffahrt ein Erlebnis und zum anderen die Route, die durch so viele unterschiedliche Klimazonen und Kulturen führte. Wir probieren uns kurz zu halten.

Mit dem Schiff hatten wir viele Städte angefahren, aber an Free Towns, Sierra Leone können wir uns noch ganz genau erinnern. Am Meeresufer waren viele Leute, Kinder am Spielen, Tiere, Rauch über den Dächer und ein Dunst über der Stadt. Umso genauer man hinsah, desto besser konnte man feststellen, dass diese Leute ihre Häuser auf gebündeltem Abfall aufbauen und das Land mit ihren Slums mehr und mehr vergrössern. Dieser Anblick prägte uns stark und es machte uns wieder bewusst, in welchem Luxus wir Zuhause leben.

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Die schönsten Wanderungen machten wir in Patagonien. Das Gebiet mit dem National Park Torres del Paine und dem Gletscher Perito Moreno gehören zu unseren landschaftlichen Highlights dieser Reise.

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Wir hatten auch schöne tierische Überraschungen wie zum Beispiel der Besuch von Toninas Overas (weis/schwarze Delfine) auf der Fähre nach Feuerland, einem riesen Finnwal an der Küste Chiles oder ein Jaguar entlang vom Rio Madre de Dios im Amazonas Becken von Peru.

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Unsere Lieblingsstrecke war der Weg zwischen San Pedro de Atacama (Chile) und dem Salar de Uyuni in Bolivien, die sogenannte Laguna Route. Die Route ist eher eine “offroad” Strecke durch eine surreale Landschaft, umgebend von rotfarbenen Vulkanen, traumhaften Salzsehen und vielen Flamingos und Guanakos. Nebst diesen schlechten Wege war die Höhe (zwischen 3600 und 5050 m.ü.M) und die sehr kalten Nächte eine grosse Herausforderung für den Körper und das Fahrzeug. Aus diesem Grund war es für uns ein emotionaler Moment am Schluss der Route bei Sonnenuntergang auf den weissen Teppich des Salar de Uyuni fräsen zu dürfen.

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Auch das Surfen begleitete uns immer wieder auf unserer Reise durch Südamerika. Die schönsten Eindrücke hatten wir hier: The Wall (North East Argentina), Pichilemu (Central Chile), Perto Chicama (Peru), Playa Los Najaros (North Colombia)

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Jetzt in Zentralamerika verschiebt sich der Schwerpunkt unserer Reise langsam aber sicher auf das Surfen. Danke nochmal Zopilote and Team, dass wir mit dem Büssli bei euch 2 super angenehme Wochen verbringen durften ;-)…

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Zopilote: Was sind die schönen Erfahrungen aber auch die Entbehrungen einer solchen Reise?
Arnauld: Wer macht sich nicht einmal den Gedanken, im Leben eine längere Reise in die weite Welt zu machen? Schlussendlich gibt es wenige, die den Schritt wirklich wagen und sein sicheres und gewohntes Umfeld verlassen. Für uns hiess dieser Roadtrip Job kündigen, die Wohnung aufgeben, der wenige Luxus was wir besassen beiseitelegen und die Familie für eine Weile zurücklassen. Am Anfang kamen einige Zweifel und Fragen auf, machen wirklich das richtige nur für eine Reise!
Diese Gedanken verflogen dann relativ schnell, sobald wir mit dem Bus in Richtung Hamburg an den Hafen fuhren. Es kamen plötzlich andere Dinge mit denen wir uns auseinander setzen mussten. Haben wir einen sicheren Übernachtungsplatz, wo können wir das Auto problemlos stehen lassen usw. Man taucht schnell in eine andere Welt ein, in ein ungewohntes Leben mit neuen Aufgaben und Beschäftigungen. Auch während dem Reisen kommt der Alltag, Tagen an denen man keine Lust zum Fahren hat und durch eine Übersättigung von Eindrücken reisemüde wird. Dann lebt man 24h zu zweit auf engem Raum und da kann es schon mal vorkommen, dass es anstrengend wird und den anderen gerne mal auf einen anderen Planeten schicken möchte.
Aber ehrlich gesagt sind das alles nur kleine Dinge, mit denen man sich auseinander setzten muss. Für uns ist dieser Trip eine riesen Erfahrung und eine grosse Freude. Jeden Tag auf ein neues neue Begegnungen machen, andere Kulturen kennen lernen, wunderschöne, kaum vorstellbare Landschaften durchfahren, die Freiheit geniessen und die Zeit nützen, um über das Leben nach zudenken. Genau diese Dinge machen für uns das Reisen so lohnenswert und da wir gerne auf den Strassen dieser Welt unterwegs sind, wird diese Reise sicherlich nicht die letzte sein.

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Zopilote: Viele würden so eine Reise als gefährlich einstufen. Habt ihr euch jemals unsicher gefühlt?
Arnauld: Ja, es gab natürlich Momente an denen wir uns unsicher fühlten. Die Frage war dann, was machen wir um dieses Gefühl loszuwerden.
Vor allem bei den freien Übernachtungsplätze kommen unsichere Gefühle auf und da hilft es uns immer die Einheimischen zu fragen, ob es sichere Plätze zum Schlafen gibt. Dann stehen wir selten mehrere Tage am gleichen Ort und in den Städten bevorzugten wir Stellplätze oder einen Camping. Wir vermeiden es in der Nacht zu fahren und schauen immer früh genug einen Übernachtungsplatz zu finden. Mittlerweile haben wir auch ein gutes Bauchgefühl entwickelt, auf was wir uns verlassen können. Dann gibt es auch Applikationen von Travelers für Travelers wie zum Beispiel IOverlander. So hat man bessere Möglichkeiten die Übernachtungen vorzubereiten und hat so meistens eine Notlösung bereit.
Natürlich hört man von Übergriffen, es sind auch viele Traveler unterwegs. Aber wir denken im Verhältnis kommt es eher selten vor und es gehört auch viel Pech dazu. Zum Glück mussten wir auf unserer Reise bis jetzt noch keine solche Erfahrungen machen und aus diesem Grund, halten wir uns weiter an unsere Prinzipien.

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Zopilote: Wie geht man an die Planung einer solchen Reise?
Arnauld: Finde das geeignete Fahrzeug in dem du dir vorstellen kannst, eine längere Zeit zu reisen und darin zu leben bei jedem Wetter. Überlade dein Fahrzeug nicht und schaue während der Reise gut dazu. Was die Ersatzteile angeht, sprich mit einem Mechaniker, wir haben zum Beispiel nur Serviceteile mitgenommen.
Für uns war wichtig, dass alle Dokumente auf dem Netz gesichert sind wie zum Beispiel den Pass, Impfausweis usw. und das wir jederzeit zu allem Zugriff haben. Alles was zu Hause läuft muss möglichst gut geregelt sein. Für die Administration braucht es daheim jemanden und man sollte Kontaktpersonen für den medizinischen und mechanischen Bereich organisieren.
Für die Reiseplanung glauben wir, dass es keine Rolle spielt wie lange und wie genau man sich vorbereitet, denn es kommt gerne anders als man denkt! Wir hatten nur eine grobe Planung und lassen uns jetzt etwas treiben. Unsere Route hat sich auf jeden Fall jetztschon öfters verändert, wie zum Beispiel durch andere Reisende, Wetter oder Interesse. So bleibt das Reisen immer spontan und interessant. Geniesse die Planung vor der Reise, denn die Vorfreude ist bekannter Weise eine der schönsten Freude.

Überlege nicht zu viel, mach die Leinen los und erfülle dir den Traum. Je länger du wartest, desto mehr Dinge halten dich zurück eine längere Reise zu tun.

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